Zieh’ einfach Öfters mal die Spendierhosen an
Generosität stärkt die Widerstandsfähigkeit und fördert die psychische Gesundheit das ganze Jahr über
– Die Feiertage bieten die Gelegenheit, einen Step zurückzutreten und in deep über Großzügigkeit selbst nachzudenken.
– Liebenswürdigkeiten setzen im Gehirn „Wohlfühlchemikalien” frei, senken den Blutdruck und stärken das Immunsystem.
– Großzügigkeit ist sinnstiftend, stärkt das Selbstwertgefühl und bekämpft Einsamkeit.
– Generosität ist eine Fähigkeit, die durch Übung kultiviert und gestärkt werden kann.
Eigentlich wissen wir es schon lange – Geld (allein) und materieller Besitz machen nicht glücklich. Studien belegen, dass, wer sein Geld nicht nur für den eigenen Nutzen ausgibt, glücklicher ist. Schon fünf Dollar am Tag reichen, um dem persönlichen Glücksgefühl einen Schub zu verpassen und eine deutliche Steigerung der Zufriedenheit auszulösen. Schönes, aktuelles Beispiel: Ein Obdachloser, der 200 Euro für Mütter in Not spendet. Wetten, dass dieser Mensch richtig glücklich ist?!
Das Glücksempfinden nimmt Studien zufolge nur noch langsam zu, wenn die Grundbedürfnisse einmal befriedigt sind – selbst wenn mehr Geld zur Verfügung steht.
Festtagsstimmung. Während der Vor- und Weihnachtszeit liegt Großzügigkeit in der Luft. Natürlich wissen das auch diejenigen, die auf Spenden bauen… Doch zumeist schlendern Menschen über Weihnachtsmärkte, durch Geschäfte und scrollen durch Websites, um die perfekten Geschenke für Family & Friends zu finden. Weihnachtskarten – wieder angesagt – werden an alte Freunde und entfernte Verwandte verschickt. Wir bekräftigen unsere Bindungen, beleben alte Beziehungen wieder und erinnern uns gegenseitig – manchmal unbeholfen, manchmal zärtlich – daran, dass wir uns immer noch gegenseitig wertschätzen und wichtig sind.
Meistens entspringen diese Gesten einer aufrichtigen Großzügigkeit. Die Feiertage bieten die Gelegenheit, zu endschleunigen und einen deep dive in die Großzügigkeit zu machen. Was sie wirklich ist, wie sie die Widerstandsfähigkeit stärkt und wie wir sie das ganze Jahr über pflegen können, nicht nur, wenn es der Kalender es so will.
Im Kern geht es bei Generosität nicht um Überfluss. Es geht um Orientierung. Es ist eine Art, in der Welt zu sein, die sagt: Ich habe etwas zu bieten und zu geben, auch wenn das, was wir haben, begrenzt erscheint, siehe das schöne Beispiel des spendierfreudigen Obdachlosen.
Großzügigkeit und Resilienz sind eng miteinander verbunden
Großzügigkeit ist nicht nur moralisch bewundernswert, sondern auch biologisch und psychologisch förderlich. Forschungen zeigen immer wieder, dass durch das Geben „Wohlfühlchemikalien” im Gehirn freigesetzt werden, darunter Dopamin, Oxytocin und Serotonin. Diese Neurochemikalien stehen in Zusammenhang mit einer verbesserten Stimmung, weniger Stress und Angstzuständen und einem allgemeinen Gefühl des Wohlbefindens. Mit anderen Worten: Großzügigkeit hilft uns buchstäblich dabei, uns besser zu fühlen.
Aber das ist noch nicht alles. Regelmäßige acts of kindness stehen in Zusammenhang mit einem niedrigeren Blutdruck, einem geringeren Risiko für chronische Krankheiten und einer verbesserten Immunfunktion. Das ist insofern wichtig, weil körperliche und geistige Gesundheit keine getrennten Systeme sind. Wenn unser Körper unter Belastung steht, leidet oft auch unsere emotionale Belastbarkeit.
Generosität wirkt auch zwei der größten Gefahren für die Resilienz entgegen: Isolation und Sinnlosigkeit. Geben fördert das Gefühl, einen Sinn zu haben. Es stärkt das Selbstwertgefühl, bekämpft Einsamkeit und stärkt soziale Bindungen. Viele Menschen beschreiben ein „Helfer-Hoch“ – dieses subtile, aber unverkennbare Hochgefühl, das entsteht, wenn man weiß, dass man etwas Positives bewirkt hat, selbst wenn es nur eine Kleinigkeit ist.
Man könnte sagen, wenn wir anderen etwas geben, geben wir nicht nur etwas weg – wir schaffen tatsächlich einen positiven Kreislauf, der sowohl unserer geistigen als auch unserer körperlichen Gesundheit zugute kommt, eine Win-Win-Situation. Dieser Kreislauf des Gebens und Empfangens von Unterstützung hilft uns, Halt zu finden, wenn das Leben unvorhersehbar oder überwältigend wird. Er erinnert uns daran, dass wir nicht allein sind – und dass wir füreinander wichtig sind.
Wie Großzügigkeit tatsächlich aussieht
Während der Feiertage wird Großzügigkeit oft auf Geschenke reduziert. Geschenke können bedeutungsvoll sein, aber sie sind nur ein Ausdruck einer viel umfassenderen menschlichen Fähigkeit. Viele der wirkungsvollsten Akte der Generosität haben überhaupt nichts mit Geld zu tun.
Großzügigkeit kann darin bestehen, dass man seine Zeit oder seine Fähigkeiten für eine Sache einsetzt, die einem am Herzen liegt. Es können kleine, alltägliche Gesten der Freundlichkeit sein – jemandem den Lieblingskaffee mitbringen, jemanden im Verkehr einfahren lassen, Geduld statt Gereiztheit zeigen. Es kann darin bestehen, jemandem, der gesehen und gehört werden möchte, seine Aufmerksamkeit zu schenken, auch wenn man nicht weiß, was man sagen soll.
Manchmal bedeutet Großzügigkeit, jemandem zuzuhören – wirklich zuzuhören. Manchmal bedeutet es, eine hart erarbeitete oder erfahrene Weisheit mit jemandem zu teilen, der einen Weg geht, den man selbst bereits gegangen ist. Manchmal bedeutet es einfach, zu bleiben, wenn es einfacher wäre, zu gehen.
Diese Formen der Großzügigkeit erfordern oft mehr Mut als Geld. Sie erfordern Aufmerksamkeit, Geduld und Verletzlichkeit. Sie verlangen von uns, dass wir uns so zeigen, wie wir sind.
Generosität als tägliche Praxis kultivieren
Großzügigkeit ist keine Persönlichkeitseigenschaft, die nur wenigen Glücklichen vorbehalten ist. Es ist eine Fähigkeit – und wie jede Fähigkeit kann sie geübt und gestärkt werden. Großzügigkeit zu kultivieren beginnt mit der Absicht und kleinen, konsequenten Handlungen.
Beginne damit, zu geben, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Erweitere dein Verständnis von „Geben” über Geld hinaus auf Zeit, Aufmerksamkeit und Freundlichkeit. Wenn Menschen Großzügigkeit als einen freudigen, ganz normalen Teil des Lebens erleben – und nicht als etwas Theatralisches oder Transaktionales –, lernen sie, dass Geben ein Mindset ist.
Einfache Gewohnheiten können dabei helfen, Großzügigkeit zu verankern:
- Nimm’ dir Zeit, Geld oder Ressourcen für Geschenke vor
- Mache aufrichtige, nicht gefakte Komplimente.
- Schreibe mal eine Dankeskarte. Viele Online- und Offline-Ratgeberlein werden mit Mails, bzw. Briefen von Menschen überschwemmt, die nicht unter dem Mangel an Geschenken leiden, sondern unter dem Mangel an Anerkennung und Aufmerksamkeit.
- Lächele. Es kostet nichts und verändert die emotionale Temperatur eines Raumes.
- Übe Dankbarkeit. Das positive Gefühl der Wertschätzung fördert auf natürliche Weise Ihre Großzügigkeit.
- Mache Großzügigkeit zur Routine, nicht zur saisonalen Angelegenheit.
Die Denkweise ändern, die Großzügigkeit ermöglicht
Schließlich erfordert Großzügigkeit eine Änderung unserer Einstellung zum Geben selbst. Generosität ist nicht großzügig, wenn sie nicht frei gegeben wird, bzw. an Bedingungen geknüpft ist. Bedingungen – Erwartungen von Gegenseitigkeit, Anerkennung oder moralischem Ansehen – berauben sowohl den Geber als auch den Empfänger des vollen Nutzens der Großzügigkeit und sind transnationaler Natur.
Gebe frei. Gebe enthusiastisch. Gebe mit Liebe. Ob du nun ein Geschenk, deine Zeit, ein Kompliment oder ein einfaches Lächeln anbietest, gebe mit Freude und nicht aus Pflichtgefühl.
In einer Welt, die sich oft zerbrochen und erschöpft anfühlt, ist Großzügigkeit ein stiller Akt des Widerstands. Sie stärkt unsere Widerstandsfähigkeit, indem sie uns an unsere gemeinsame Menschlichkeit erinnert. Und vielleicht am wichtigsten ist, dass sie uns daran erinnert, dass wir auch dann, wenn wir uns erschöpft fühlen, noch etwas (Sinnvolles) zu geben haben.
Happy Holidays & Happy Giving!



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