Embrace the suck!
Was wir von den den härtesten Spezialeinheiten der Welt über Wachstum, Durchhaltevermögen und das Bewältigen schwieriger Aufgaben lernen können.
- Unbehagen ist kein Warnsignal. Im Gegenteil – es kann dich zu einem besseren Menschen machen. Es ist ein Signal für Wachstum, und es zu vermeiden schwächt Selbstvertrauen und Leistungsfähigkeit.
- Das Bewältigen schwieriger Aufgaben stärkt wichtige Gehirnregionen, die für Konzentration, Entscheidungsfindung und Resilienz zuständig sind.
- Das Vermeiden von Herausforderungen führt zu Anfälligkeit, während das Suchen nach Herausforderungen Stärke und Selbstvertrauen fördert.
Der ideale Punkt für Wachstum liegt direkt außerhalb deiner Komfortzone – zunächst erscheint dies schwierig, ist aber machbar.
In der griechischen Antike waren die Spartaner bekannt für ihre extreme militärische Disziplin, Genügsamkeit und das rigorose Erziehungssystem, das sie zu zahlreichen Erfolgen führte. Der römische Dichter Juvenal kreierte den berühmten Satz„mens sana in corpore sano“(Kurzform des Zitats). Von Spitzensportlern wissen wir, „no pain, no gain“. AuchSteve Jobs glaubte daran, dass Durchhaltevermögen und Anstrengung letztendlich zum Ziel führen. Wer aufgibt, hat sich aufgegeben. Alle haben eins gemeinsam: Sie gehen über ihre eigenen Grenzen, raus aus ihrer Komfortzone – wenn damals auch nicht unbedingt immer freiwillig. Heute haben wir tatsächlich das Privileg, die Freiheit, über uns herauszuwachsen. Wenn wir wollen.
Die meisten Menschen betrachten das Verlassen ihrer Komfortzone als Bedrohung – als etwas, das es zu beseitigen gilt oder dem man zu entkommen sucht.
Den Spezialeinheiten wird überall das Gegenteil beigebracht: „Embrace the suck“ (Nimm Strapazen und Unangenehmes an und heisse es willkommen).
Das ist nicht nur eine leere Phrase oder eingängiger Slogan. Es ist eine Denkweise. Eine Lebenseinstellung. Und wie sich herausstellt, ist es auch wirkungsvolle Psychologie.
Heute verstehen viele, warum dieser Satz funktioniert. Es geht nicht nur um mentale Stärke. Da kommt die Gehirnforschung mit ins Spiel. Es ist die Art und Weise, wie wir wachsen, uns entwickeln und unser Potenzial ausschöpfen. Vor allem in einer Welt, die zunehmend auf Komfort ausgerichtet ist, brauchen wir das mehr denn je.
Die Komfortfalle
Komfort ist zur neuen Sucht geworden.
Überall lauern Snacks, die wir uns im vorbeigehen kaufen können. Wir sitzen (fast alle viel zu viel), rund 9,2 Stunden pro Tag. Aus dieser vermeintlich bequemen Position heraus können wir uns Dinner, Lebensmittel und Getränke – sogar einen Therapeuten – bestellen, ohne das Sofa zu verlassen. Es existieren zahlreiche Studien darüber, wie krank uns das Sitzen machen kann. Uns wurde beigebracht, dass Stress schädlich ist, dass schwierige Dinge vermieden werden sollten. Dass Bequemlichkeit gleichbedeutend mit Glück ist.
Aber wie sieht die Wahrheit aus? Zu viel Bequemlichkeit macht das Leben nicht besser. Es macht in jeder Hinsicht träge. Bequemlichkeit macht schwächer und ist ungesund. Das macht dich auf lange Sicht unglücklicher und mindert deine Lebensqualität sowie deine Longevity.
Jedes Mal, wenn du einer Herausforderung ausweichst, sendest du deinem Gehirn eine Botschaft: Ich schaffe das nicht. Und dein Gehirn glaubt dir. Vermeidung schützt dein Selbstvertrauen nicht, sie untergräbt es. Je mehr du dich vor Schwierigkeiten abschirmst, desto fragiler wirst du. Dein Glaube an deine Fähigkeiten schwindet. Dein Gefühl der Selbstwirksamkeit verblasst.
Unbehagen verschwindet nicht, wenn man es vermeidet. Es taucht nur später wieder auf – als Zweifel, Unentschlossenheit oder Reue.
Es ist wie mit deinem Körper. Wenn du deine Muskeln nicht mehr benutzt – wir haben rund 650 Muskeln (!) – und trainierst, bauen sie sich ab. Du wirst schlaffer, schwächer, anfälliger für Verletzungen und fängst dir leichter Krankheiten ein. Mit deinem Geist verhält es sich genauso: Keine Herausforderung = keine Stärke.
Uns vor Unbehagen zu schützen, schafft keine Sicherheit, sondern macht uns zerbrechlich. Wenn wir aufhören, uns selbst herauszufordern, hören wir auf, uns weiterzuentwickeln.
Gehirne, die sich abmühen, wachsen
Die Wissenschaft sagt dazu Folgendes: Dein Gehirn wird tatsächlich stärker, wenn du schwierige Dinge tust.
Das ist Neuroplastizität in Aktion: Dein Geist vernetzt sich buchstäblich neu, um auf Herausforderungen zu reagieren. Genau wie sich deine Muskeln unter Belastung anpassen, tut dies auch dein Gehirn. Forscher wie Michael Merzenich – einer der Pioniere auf diesem Gebiet – haben gezeigt, dass Anstrengung neue Verbindungen schafft, Fähigkeiten schärft und die mentale Belastbarkeit erhöht.
Im Gehirn leuchtet der vordere cinguläre Kortex (ACC) – der für kognitive und emotionale Prozesse sowie die Integration sensorischer Informationen entscheidend ist – auf, wenn es chaotisch wird. Er hilft dir, Probleme zu erkennen, Konflikte zu bewältigen und dich spontan anzupassen. Stell dir das als den „Durchhalte-Schalter“ deines Gehirns vor.
Der ACC arbeitet mit dem präfrontalen Kortex (deinem Entscheidungszentrum) zusammen, der für Konzentration, Planung und Selbstkontrolle zuständig ist. Je mehr du dich selbst herausforderst, desto effizienter wird dieses Netzwerk. Mit anderen Worten: Wenn du schwierige Dinge tust, wird dein Gehirn buchstäblich besser darin, schwierige Dinge zu tun.
Und hier kommt der Clou: Je öfter du dich durchbeißt, desto mehr erwartet dein Gehirn genau das. Deine Belastbarkeit wächst. Deine Identität verändert sich. Unbehagen fühlt sich nicht mehr wie eine Bedrohung an. Es fühlt sich wie Fortschritt an.
Das ist die wahre Bedeutung von „Embrace the Suck“. Du kämpfst nicht nur um Anerkennung. Du trainierst dein Gehirn, sich stetig zu steigern.
Schmerz und Stolz
Zahlreiche junge Menschen absolvieren eine Ausbildung, die darauf ausgerichtet ist, zu den Spezialeinheiten zu gehören. Nur die Besten schaffen das. Das sind diejenigen, die nicht aufgeben und weitermachen, wenn’s weh tut. Viele berichten, wie sehr sie es hassen, sich mit beispielsweise Laufübungen über Kilometer zu schinden. Die Beine schreien vor Schmerz. Die Lungen brennen. Der Stolz leidet mitunter mehr als der Körper: Wenn man beim Laufen mit den Teammates hinterherhinkt, fällt das auf. Und zwar nicht im positiven Sinne.
Einige Anwärter auf einen Platz in den Spezialeinheiten wollen aufgeben, der Peinlichkeit und den Schmerzen entfliehen. Aber sie tun es nicht.
„Embrace the suck“ soll nicht demotivieren. Es ist die Ermutigung, die gebraucht wird, um durchzuhalten und stärker zu werden, es zu „schaffen“.
Das verinnerlichen viele.
Und am Ende dieser als elendig empfundenen Dauerläufe, unzähligen Liegestütze und strapaziösen Durchhalteübungen im eiskalten Meer mit Wellengang sind sie nicht nur stärker geworden. Sie empfinden auch etwas Unerwartetes: Stolz. Auf sich selbst und auf ihre Team Mates.
Wie beim körperlichen Training schmerzen mentale Herausforderungen im Moment, stärken einen aber mit der Zeit. Man wird nicht stärker, indem man den Schmerz vermeidet; man wird stärker, indem man sich ihm stellt.
Die „Goldilocks-Zone“
Natürlich gibt es, wie bei allen guten Dingen, auch hier eine Grenze. Es geht nicht um Masochismus. Vor allem nicht darum, anderen etwas zu beweisen. Es geht um Entwicklung und Fortschritt.
Es gibt einen optimalen Punkt. Die Goldilocks-Zone (benannt nach dem Märchen „Goldlöckchen“, bei dem Dinge „genau richtig“ sein müssen (nicht zu heiß, nicht zu kalt)). Zu wenig Stress? Kein Wachstum. Zu viel Stress? Burnout. Die Herausforderung sollte genau richtig sein – herausfordernd und unangehm, aber machbar.
Diese Zone wird auch die der nächsten Entwicklungsstufe genannt – im Grunde genommen die Zone, in der man sich strecken muss. Man wächst am besten, wenn man gerade so weit über das hinaus gefordert wird, was man bereits kann.
Wie beim Muskelaufbau braucht man progressive Überlastung und Erholung. Herausforderung + Erholung = Resilienz. (Wissenschaft plus gesunder Menschenverstand.)
Was bedeutet das also im echten Leben – vor allem, wenn man nicht trainiert, um – auch im übertragnen Sinne – ein Mitglied einer Spezialeinheit zu werden?
Es bedeutet, sich sinnvolle Ziele zu setzen, die einem ein wenig (oder sehr) Angst machen – in dem Wissen, dass der Weg schwer sein wird. Aber auch mit dem Bewusstsein, dass er einen mit Anstrengung verändern kann.
Was ist die eine schwierige Sache, die du schon immer tun wolltest, bei der dich aber die Angst oder auch nur der Gedanke an Unbehagen, bzw. deine Komfortzone zu verlassen, zurückgehalten hat?
… dich um diese Leadership-Position zu bewerben.
… dich als Speaker vor großem Publikum zu versuchen.
… noch einmal ein Studium zu starten.
… an einer angespannten Beziehung arbeiten.
Such’ dir etwas aus. Und fang’ an.
Ändere deine Denkweise. Anstatt Unbehagen aus dem Weg zu gehen und immer wieder Entschuldigungen zu erfinden, rechne damit – und erinnere dich daran, dass es nicht der Feind ist. Der Feind ist deine Komfortzone. Verinnerliche „Embrace the Suck“.
Versuche jeden Tag eine mutige Sache zu tun. Mach’ den unbequemen Schritt, der dich vorwärtsbringt. Sag’ deine Meinung, auch wenn du weisst, dass alle anderen einer anderen Meinung sind. Beginne mit dem ersten Schritt. Wenn es schwierig wird, denk’ daran: Es ist das Work out, das dich formt.
Finde deine Community mit Gleichgesinnten. Schwierige Dinge zu tun bedeutet nicht, sie alleine zu tun. Umgib’ dich mit Menschen, die dich herausfordern, unterstützen und an die mutigste und beste Version von dir glauben.
Das Vermeiden von Unbehagen untergräbt dein Selbstvertrauen. Die Entscheidung für Herausforderungen stärkt es. Und diese Entscheidung summiert sich Tag für Tag.
Den schwierigen Weg zu wählen ist keine Strafe. Wenn du deine Komfortzone verlässt, formt dich das zu einem besseren Menschen; so entstehen Stärke, Stolz und echter, nachhaltiger Fortschritt.
Das Leichte wird dich nicht verändern. Das Schwierige vielleicht schon. Du weisst ja, nur die Harten kommen in den Garten.
Such’ dir also heute noch direkt eine schwierige Aufgabe aus. Und leg los.
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